“Wer ist Ihrer Ansicht nach der bessere Zimmermann: derjenige der nur mit dem richtigen Werkzeug arbeiten kann, oder derjenige, der sich mit dem begnügt, was er gerade zur Hand hat?“

Besser, Schneller, Stärker, Erfolgreicher ... kaum ein Tool, Life-Hack oder Superfood verspricht uns heutzutage weniger. Werbungen, Blogs und Printmedien sind voll mit den nützlichen Kniffen, die uns das Leben und Arbeiten so unglaublich zu erleichtern scheinen. Auch der Autor dieser Rezension kippt immer wieder auf solche Versprechen rein, man könnte fast meinen es sei ein menschliches Grundbedürfnis an so etwas zu glauben.

Dabei ist wahrer Erfolg meistens nur an eines geknüpft, egal ob Hochstapler oder Wunderwuzzi: harte und kontinuierliche Arbeit an sich, dem Werkstück, dem Text. „Das ist ja klar!“, sage ich mir, und der Leser dieses Blogs wahrscheinlich auch, trotzdem fallen wir immer wieder in dieses Wunschdenken hinein, dass es da doch etwas geben könnte, das uns zur hyperproduktiven Kampfmaschine macht.

Beeindruckend in dieser Hinsicht, ist die japanische Bushido Kultur in der Zen-Buddhistischen Tradition. Diese stellt sozusagen das genaue Gegenteil zum Life-Hack Denken dar und ist, wie erwartet, sowas von Uncool: Starre mal 10 Jahre lang auf einen Stein, wenn du damit fertig bist weitere 10 Jahre und wenn du das geschafft hast, dann hänge nochmal 10 Jahre dran. Das ist nur eines von vielen Beispielen.

Im Buch Zen-Schwert-Kunst von John Stevens wird das Anti-Life-Hack Leben von Tesshu, einem japanischen Schwertmeister und Kalligrafen, im Geiste dieser Anti-Life-Hack Gedanken dargestellt. Auch wenn man mit einem eurozentristischen Weltbild machmal auf ein paar befremdliche Gedanken stößt (Inhaltliche Widersprüche, Fremdgehen als Erleuchtungserfahrung), ist das Buch eine interessante Einführung in eine Zen-Buddhistische Betrachtung. Geeignet ist das Buch für den ein oder anderen Kampfkunst Fan (nicht Kampfsport) und Zen-Praktizierende mit oder ohne Kenntnisse im Buddhismus.

Menschen, die sich hier Tipps und Trick abholen wollen, wie sie mit einem Katana erfolgreich Leute niedermetzeln können, werden enttäuscht sein ... hoffentlich :)

Buch: Zen-Schwert-Kunst von John Stevens