Nicht-Wissenschaftliche Abhandlung über die weit verbreitete Hirnwichsgitis anhand eines praktischen Beispiels

Die "Ich-Muss-mich-gut-Vorbereiten-Falle"

Ich hatte eine Idee. Was folgte waren Analysen, Themenabgrenzungen, Brainstorming, Tag-Definitionen, Suchmaschienenoptimierungsmaßnahmenkataloge (geiles Wort), Blog-Best-Practice-Lessons-Learned Abhandlungen, etc.

Es vergingen also Monate, so nebenbei. Es sollte ja wenigstens durchdacht wirken. Aber was war das Ergebnis? 100 Ideen, 20 Blog Entwürfe, Orientierungslosigkeit, Unschlüssigkeit ... und genau 0 Beiträge (insgesamt).

Diagnose: Mittelschwere Hirnwichsgitis!

Ein typischer Fall von Hirnwichsen. Wird man einmal von Hirnwichsgitis befallen, dessen Risikogruppen vor allem Denker und Jungakademiker sind, ist es schwer wieder ins Pragmatische zurückzufinden. Aber wie kommen wir aus diesem Gedankenringelspiel wieder raus?

Natürlich ist dieses "einfache Anfangen" omnipräsent aber das impliziert, dass unser Gegenüber, Buchautor usw. glaubt wir brauchen einen Tritt. Brauchen manche Menschen auch ... aber manche Menschen sollte man nicht treten denn die treten zurück. Es ist komplizierter, was uns jedoch oft daran hindert anzufangen bzw. erfolgreich zu sein sind nicht selten moderne Zeitmanagementmethoden.

Heilung Phase 1 - Falsche Glaubenssätze killen

Unser Leben, unsere Entscheidungen und Umwelten und unsere Motivation sind hoch komplexe Konstrukte, trotzdem glauben wir, dass diverse Aussagen eine Allgemeingültigkeit besitzen die, wenn man diese reflektiert, nicht immer auf die derzeitige Aufgabe anwendbar sind. Einige davon sind zB.:

  • "Es muss immer perfekt sein!" ->Nein, muss es nicht immer.
  • "Es muss nicht perfekt sein, es muss nur gut genug sein!" -> Nein, manchmal muss es perfekt sein. Präsentationen vor dem Kunden bzw. der Geschäftsleitung müssen perfekt sein.
  • "Ich muss an einer Aufgabe immer geblockt arbeiten!" -> Nein, diese künstlichen Zeitblocks sind zwar etwas tolles, selten jedoch mit der Realität und der Art der Aufgabe vereinbar sein. Artikel, wissenschaftliche Arbeiten und Präsentationen schreiben sich leichter über mehrere Tage.

Zusammengefasst: Glaubenssätze können richtig oder sie können falsch sein, vor allem aber können sie falsch sein! Wenn wir es schaffen unsere Mindsets zu erkennen und zu reflektieren können wir anfangen die Dinge auch korrekt anzugehen.

Heilung Phase 2 - Agil an die Sache herangehen

Ja, manchmal brauchen wir geblockte Einheiten um eine Aufgabe zu erledigen. Das ist aber nicht immer der Fall! Wie in der agilen Softwareentwicklung können wir auch Artikel, wissenschaftliche Arbeiten, Präsentationen etc. abarbeiten. In der Praxis würde das für diesen Blog beispielsweise folgendes bedeuten:

  • Ich lege mich nicht auf gewisse Themengebiete fest. Ich schreibe was mir Spaß macht, mit der Zeit ergibt sich der Blogschwerpunkt von ganz alleine (zum Beispiel ersichtlich über die Kategorienwolke) -> Ich habe eine Vision, wie das Ziel und der Weg dorthin aussehen wird sich zeigen wenn ich den ersten Schritt mache.
  • Ich sammle Artikel in meinem Wissensmanagmentsystem (zB.: Evernote, PersonalBrain, tagge sie konsequent und schreibe etwas wenn ich genug Infos zusammen habe.
  • NICHT viel recherchieren und dann viel schreiben sondern wenig recherchieren dann schreiben, weiter recherchieren und weiter schreiben bis der Punkt kommt wo ich einen Artikel geblockt fertig schreibe.
  • Artikel werden über mehrere Tage geschrieben. Jedesmal wenn ich aufhöre an einem, noch nicht fertigen, Artikel zu schreiben mache ich mir ein Minimalziel für den nächsten Arbeitsstart aus.
  • Ich schreibe lieber kurze und mehr Artikel als lange und wenige, ich bleibe dadurch flexibel und sichere einen langfristigen Fortschritt. Durch Verlinkungen ergibt sich ein schönes Gesamtbild.
  • Artikel beginnen wenn sie mir durch den Kopf schießen, egal wie wenig Zeit man hat.
  • Artikel schnell verwerfen und nicht aufschieben wenn das Thema nicht passt - keine toten Pferde reiten
  • Über Artikel schlafen bevor diese publiziert werden (lass dein Unterbewusstsein daran arbeiten)
  • Menschen über sein Vorhaben informieren, mit Deadline! Jedoch das Ziel so formulieren, dass der Weg dorthin agil und flexibel bleiben kann. Hier kann man auch von Vision sprechen (hier sind keine Magic Mushroom Visionen gemeint!)

Management Summary:

  • Hirnwichsgitis erkennen (!) und wie folgt unterbinden:
  • Umsetzung der Aufgaben in kleinen Schritten (wobei es Ausnahmen geben kann!)
  • Perfektionismus ablehnen, aber nur dort wo es Sinn macht!
  • Selber Denken: Glaubenssätze und diverse Zeitmanagement "Erkenntnisse" nicht 1:1 umsetzen sondern im Kontext zur Aufgabe stellen.
  • Wenn man Zeit hat einfach mal beginnen auch wenn es nur wenige Mintuten sind, wenn es die Aufgabenart zulässt oder sogar erfordert (Aufgaben die zB mehr Kreativität erfordern).
  • Manche Aufgaben über mehrer Tage verteilt abarbeiten (vor allem Kreative und interdisziplinäre Aufgaben)

Lesenswert (Referenzen)

Buch: Schluss mit dem ewigen Aufschieben: Wie Sie umsetzen, was Sie sich vornehmen