F*** you Welt! Der Weg in die selbstverschuldete Unmündigkeit.

In fast allen Selbst-, Mental- und Zeitmanagement-Trainings, die ich bis jetzt besucht habe, gab es den Rat sich nicht mehr mit Nachrichten zu beschäftigen, da diese einen negativen Effekt auf die Motivation haben. Diesem Rat bin ich am Anfang meiner Beratertätigkeit gefolgt.

Wahrscheinlich war es auch so, dass ich mich voll und ganz auf meine beruflichen Aufgaben konzentrieren konnte, und ich habe sicherlich mehr PowerPoints produziert.

Dieser Teil des Lebens, den ich weder als gut noch als schlecht bewerten möchte, wurde nur dann gefährlich, wenn ich mir angemaßt hätte, politische, gesellschaftliche, religiöse, philosophische oder künstlerische Urteile zu bilden. Denn ich konnte das zu dieser Zeit einfach nicht.

Denn es fehlte die Erfahrung und die Praxis des Denkens zur Urteilsbildung, wenn man sich 510 Stunden im Monat nur mit Arbeit, berufsbezogener Weiterbildung, leistungssteigernden Sporteinheiten, Netzwerkabenden und Karriereratgebern beschäftigt.

Kant würde sagen, dass wir uns in die selbstverschuldete Unmündigkeit stecken. Das macht uns beruflich nicht nur anfällig für Bullshiter aller Art, sondern vor allem anfällig für Bullshiter im politischen Bereich. Die Sophisten (=rhetorisch begabte Bullshiter) gewinnen immer mehr an Einfluss, die Philosophen (=wahrheitssuchende HirnwixerInnen) verlieren ihren Platz in der Gesellschaft.

Interessant ist, dass nicht nur Gutmenschen Nachrichten lesen, sondern sich jeder gute CEO und Self-Maid-Millionär mit äußerst anspruchsvollen Informationsquellen beschäftigt (WSJ, FAZ, NYT, Handelsblatt etc.). Wäre ich ein Verschwörungstheoretiker, würde ich sagen, dieser Trend zur Abschottung soll uns klein und dumm halten.

Für die Karriere heißt das: Wer große Ziele hat, sollte auch die großen Entwicklungen im Auge behalten. Wer als Projektassistent in Rente gehen will und nach Thailand auswandert - natürlich nur wegen der «Kultur» - der braucht sich auch mit der Welt nicht beschäftigen.

Der erste Schritt aus der selbstverschuldeten (politischen) Unmündigkeit ist, sich wieder mehr mit der Welt zu beschäftigen. Ja, es wird weh tun. Ja, es frisst Ressourcen. Aber wir müssen uns alle irgendwann die Frage stellen ob wir als kleine Arbeitskraft sterben wollen oder als Mensch.