ZEN Meditation
Business als Religion zu sehen sorgte letztens für einige Irritation, dabei gibt es immer wieder Trends die das mystifizieren von Business bestätigen. Einer der aktuellsten ist die Meditation und Zen.

Unzählige Studien und Artikel wollen uns zeigen wie fernöstliche Meditationsformen uns effektiver und effizienter im Job machen, und das mit nur 10min «Mental-Work-Out» am Tag.

Würde man jedoch einem ZEN-Meister ins Gesicht sagen: „Ich mache das, um besser im Job zu werden!“ würde er uns wahrscheinlich totprügeln. Alleine schon der Gedanke, das Nirvana erreichen zu wollen ist im ZEN einfach verpönt. Kommt da noch eine utilitaristische Ethik, wie es die Business-Ethik eben ist, hinzu, widerspricht man dem gesamten Konzept radikal.

»Wie bitte!? Du fragst mich nach Lösungen des großen Problems von Leben und Tod für dich selbst? Wen interessiert schon dein Leben und Tod? Du zählst überhaupt nicht! Ha, ha, ha … (Oka Sotan Roshi)»¹

Die Verfälschung der buddhistischen Lehre, bzw. dieses Rosinenpicken führt vielmehr dazu, dass wir eine auf gehorsam- und genügsamkeitsorientierte Ideologie annehmen, die im asiatischen Raum normal ist und kaum etwas mit der Individualität und dem Persönlichkeitskonzept zu tun hat, die wir in Europa für selbstverständlich halten.

»Wie bitte!? Geistige Ruhe!? Was willst du denn damit anfangen, jung wie du bist? Oder glaubst du etwa, dass du es dir dein Leben lang gut gehen lassen kannst, wenn du erst einmal die geistige Ruhe gefunden hast? Mach dir lieber ordentlich Sorgen! Ich bin schon über siebzig und mache mir immer noch Sorgen. Wach endlich auf aus diesem Traum!» Worte des Ältesten im Horin-ji-Tempel¹

Vor allem linke Philosophen warnen vor diesem Trend, asiatische Philosophie unkritisch zu übernehmen, welche meist auf Gleichschaltung und hierachisches Denken getrimmt ist. Diese Warnung wird untermauert durch die Tatsache, dass zwei große Deutsche Meditations- und Achtsamkeits-Pioniere im deutschen Sprachraum bekennende NAZIS waren (Karlfried Graf Dürckheim & Eugen Herrigel). Mediation passt auch, wie auch im militarisierten Japan im II. Weltkrieg, in totalitäre Systeme perfekt hinein. Das liegt vor allem daran, dass das Wesen der Mediation als Methode gesehen wird „UM ETWAS BESSER ZU TUN“. Zwischen PPTX-Folien gestalten und Menschen töten (Samurei) gehört da alles dazu.

»Das Unergründliche bedeutet: Kein Gewinn. Und in der Umgangssprache: Zazen bringt nichts!»¹

ZEN-Meditation ist nutzlos, und das ist gut so! Genau deshalb praktiziert man sie auch. Es ist sozusagen die direkte Entscheidung etwas zu tun, was mir keinen Vorteil, kein Geld, keine Macht bringt. ZEN Meister verbringen Jahrzehnte damit ihren Schülern beizubringen, dass das was sie tun nichts bringt. Die Unlösbarkeit buddhistischer Rätsel ist der perfekte Ausdruck dieser Geisteshaltung. Man entfernt sich in der Meditation zum ersten Mal im Leben bewusst von den Zwängen der Kausalität, der Selbstoptimierung, des Erfolgszwanges.

Worum geht es eigentlich beim Buddhadharma? Nicht darum, uns als Normalbürger zu verbessern. Eher darum, uns als Normalbürger so weit zu verschlechtern, dass wir uns nicht mehr unter die Leute trauen.¹

Steve Jobs hat wohl mehr meditiert als die meisten anderen Manager, trotzdem: er hat seine Leute angeschrien, war jähzornig, hat seine Tochter nicht anerkannt und im Stich gelassen … und da soll man jetzt mit 10 Minuten am Tag ein besserer Mensch werden? Jobs wollte nicht geliebt werden, er hat die Dinge einfach um ihrer selbst willen gemacht. Jobs hätte NIE gesagt: Ich mache einen IPOD, um reich zu werden. Sondern vielmehr: „Ich mache einen IPOD, weil ich einen IPOD mache und das gefälligst richtig.“

Im buddhistischen Glauben, so auch im ZEN, ist man erst dann erlöst, wenn einem der Erfolg egal wird (sich von dem Leiden löst, Erfolgsgier = Leid), und man die Dinge einfach tut um der Dinge willen (=SELBSTZWECK). Wer das kapiert und lebt, hat die Erleuchtung und kommt ins Nirvana (ohne Jungfrauen) … alle anderen Gedanken werden mit Stockschlägen des ZEN-Meisters bestraft, und die tun richtig weh!

»Du glaubst, dass ich dank Zazen viel Energie in meinem Hara (Bauch) und ein kräftiges Herz habe, was mich zu einem energetischen Menschen macht? Red keinen Blödsinn! Ich lebe mein Leben so, als würde ich über dünnes Eis gehen: Mit der größten Vorsicht und dem höchsten Respekt. Und zwar genau deshalb, weil ich Zazen praktiziere.»¹

Bringt Meditation jetzt etwas? Nein, und genau deshalb sollte man es einfach machen.

¹Zitate sind aus dem Buch: «Zen ist die größte Lüge aller Zeiten» von KODO SAWAKI, mein persönlicher Favorit unter den Zen-Meistern.

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