Wieder eines dieser Modeworte, die durch die Business Welt gehen und wieder versteht jeder etwas anderes darunter. Das Wort Resilienz ist mir zum ersten Mal in einer Hernstein-Veranstaltung untergekommen, und ich war äußerst begeistert von der Idee.

Wie wird Resilienz heute interpretiert?

Wenn ich heute den Karriere-Standard lese, merke ich wieder einmal, wie verschieden das Wort ausgelegt wird. Denn manchmal verbirgt sich hinter diesem eleganten Begriff einfach nur persönliche Gelassen- und Standfestigkeit. Aber wenn wir Resilienz dermaßen reduzieren, reduzieren sich auch unsere Erkenntnisse zur Vorbeugung der heutzutage beliebtesten Management Methode: Management by Panik.

Sobald etwas nicht funktioniert und wir es noch dazu mit cholerischen Chefs zu tun haben neigen wir dazu, zu übersteuern und den Stress einfach weiterzugeben. Wir dokumentieren, erstellen Meta-Ebenen-Bull-Shit PowerPoint-Präsentationen und wollen alles neu erfinden. Meist auf Basis eines einzigen, meist kleinen Ereignisses.

Wie soll Resilienz (auch) interpretiert werden?

Genau da kann der Fehler liegen. Resilienz bedeutet, sich von der emotionalen Situation zu distanzieren und von einem plumpen Reagieren in ein reflektiertes Agieren überzugehen. Erst aus diesem Gefühlszustand können wir entscheiden, ob das Problem eine Ausnahmesituation ist oder langfristig gelöst werden muss. Denn die reinste Form der Resilienz ist das Ertragen von Problemen und Risiken um unnötige Aufwände zu vermeiden.

Resilienz ≠ Phlegmatismus

Eine resiliente Haltung kann man schnell verwechseln mit einer phlegmatischen, demotivierten Herangehensweise. Ich möchte dezidiert darauf hinweisen, dass ständige Verbesserung notwendig ist! ABER wir müssen aktiv (nicht reaktiv) abwägen, wann wir etwas tun, aber auch wann wir etwas NICHT tun.

Management Summary:

Eine resiliente Führungskraft:

  • reagiert bei Problemen nicht über und übersteuert nicht die Maßnahmen (z.B.: Überdokumentation)
  • gibt den Frust seines Vorgesetzten NICHT an sein Team weiter
  • versteht sich vielmehr als sichernde Knautschzone
  • übernimmt Verantwortung und macht lösungsorientiert weiter
  • bombardiert seine Mitarbeiter nicht mit sinnlosen Formalanforderungen aufgrund eines seltenen, impactlosen Ereignisses