Zombies, Vampire, Pensionisten oder Back to University

Wenn Studenten mit ihren OpenOffice Formatierungen erfolglos herumspielen und ein Professor auf dem Podium steht, der eigentlich schon tot sein sollte, dann weiß man, man ist auf der Philosophischen Fakultät.

Die Motivation ist am Höhepunkt, es ist für viele die erste Vorlesung im Semester. Die guten Vorsätze, die gleichen wie letztes Semester. Die Stimmung ist gut, doch die Realität holt einen schnell ein.

Der Vortrag beginnt und es wird klar: Der Professor im biblischen Alter ist nur scheinbar ein Zombie. Die Tastaturen der Laptops beginnen zu glühen und werden, die offiziellen 90 Minuten lang, ohne Pause betätigt. Gearbeitet wird in Tag-Teams, muss der Schreiberling kurz blinzeln, schaut er sich die verpassten Absätze (!sic) beim anderen ab und umgekehrt. 90 Minuten Dauerfeuer beginnen, man wartet vergebens auf einen Schwächeanfall oder Herzinfarkt. In Minute 91 ist uns klar, wir müssen ihn stoppen.

Doch es ist zu spät, unscheinbar schleichend wurde die Lebensenergie der Zuhörer ausgesaugt und auf den Professor übertragen. Einige denken noch immer über den zweiten Satz am Anfang der Vorlesung nach, andere fliehen in ihre virtuelle Welt, in der das Studentenleben noch in Ordnung ist. Alle hoffen auf die Kampfpensionisten in der Zuhörerschaft, die ihnen nachher die penibel ausgearbeiteten Skripten vererben.

Minute 95: Der Vampir ist satt, er hat genug gesaugt. Er beendet die rhetorische Enzyklopädie mit den Worten: »Heute haben wir an der Oberfläche gekratzt«, die Masse lacht nervös, als hätte Kim Jong Un einen Witz über Hinrichtungen gemacht. Nächste Woche Freitag, 08:00 Uhr (sic!) geht es wieder los. Die Studenten-Meute wird aus unerfindlichen Gründen da sein, ein Psychologe würde es wahrscheinlich mit dem Stockholm-Syndrom erklären. Der Professor freut sich, denn dadurch wird er ewig leben.

Und die Vorsätze? Ich schreibe dann doch lieber einen Blog. Nächstes Semester wird alles anders.