Zur Einstimmung: Die Welt steht am Abgrund, wir werden überrannt, ein Krieg wird kommen ... so der Grundtenor diverser Facebook Filterbubbles und dubioser Seiten. So ganz ernst nehmen muss man diese Aussagen noch nicht, aber der feuchte Traum diverser Rechts- wie Links-Populisten, sich endlich mit Gewalt artikulieren zu dürfen, rückt langsam wieder in den Bereich des Möglichen. Auch im Militär sehnt sich der ein oder andere wieder nach den heroischen symmetrischen Kriegen, in denen man sich als „ganzer Mann“ (und nicht als Frau) behaupten kann. Die heutige asymmetrische (terroristische) Kriegsführung mit Auto- und Selbstmordattentätern, Messerstecherei und Amokläufern, ist eines echten Kriegers nach hollywood’schem Vorbild nicht würdig und gehöre durch Konflikte ersetzt «wo ein Mann eben tun muss, was ein Mann tun muss».

Dabei wissen diese Spaltungs- und Kriegstreiber nicht, wie so ein moderner, symmetrischer Krieg überhaupt aussehen würde. Nicht weil die Meisten keinen Abschluss in Polemologie haben, sondern einfach weil es niemand weiß. Unser Kriegsbild ist made in Hollywood und von der Waffenindustrie, wie die Chimäre Krieg tatsächlich aussehen wird, das wird sich erst zeigen, wenn er da ist.

Ein historisches Paradebeispiel für falsche Kriegsvorstellungen ist eine Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg: Der Österreichische Kaiser ließ sich von seinen Offizieren zu einer Waffenvorführung einladen. Doch wie immer wenn Österreich und das Militär in einer Geschichte vorkommen, endete es im Disaster: Das Maschinengewehr versetzte das Pferd des Kaisers in Panik (wohl auch den Kaiser selbst), sodass dieser wenig begeistert die Vorstellung verließ. «Viel zu laut … nicht ehrenhaft … die Kavallerie ist unersetzlich.»

Als es endlich zum Kriegsausbruch kam und die gesamte Bevölkerung ganz aus dem Häuschen war vor lauter Kriegsgeilheit, kam der Krieg unerwartet anders. Die ersten Begegnungen zwischen berittener Kavallerie und dem «unehrenhaften» Maschinengewehr endeten in einem unheiligen Reiter-Pferde-Leberkäse-Gemisch. Es dauerte tausend Soldatenleben auf allen Seiten bis die Offiziere und die Oberbefehlshaber der Armeen sich auf die neue Technologien einstellen konnten. Im Zweiten Weltkrieg haben die Deutschen in Windeseile ganz Europa besetzt, nur weil z.B. die Franzosen dachten, mann müsse nur bessere Gräben bauen um die deutsche Gefahr abzuwehren.

Wir leben heute in einer Situation, in der wir seit mehr als 70 Jahren zwar ungeheure Fortschritte in der Waffentechnologie haben (Atomar, Biologisch, Chemisch, Digital, Raumfahrt) aber noch nie solche Technologien in Action erlebten. Vor allem die Dynamik aus der Kombination dieser Technologien ist ein unvorhersehbares Mysterium.

Doch was könnte man über einen modernen großen Krieg aussagen? Derzeit nur eines: egal wie gekämpft wird, die Zivilbevölkerung leidet am meisten. Das klingt paradox, wird uns doch immer super präzise Waffentechnologie vorgeführt. Doch der Trend ist eindeutig: zu Napoleons Zeiten waren nur 10% aller Kriegsopfer Zivilisten, heute sind es 90%, das Verhältnis hat sich umgekehrt und es wird weiter auf die 99% zugehen. In Syrien ist es derzeit z.B. sicherer ein Soldat/Terrorist zu sein, als ein Zivilist in einer umkämpften Stadt. Das Militär und die Waffenindustrie schweigen sich darüber gerne aus, weil es schlecht für‘s Geschäft ist, der zahlenden Bevölkerung etwas zu verkaufen was sie selbst töten wird.

Jeder sollte sich im Klaren sein: wer Volksvertreter wählt, die mit Spaltung, Rüstung und Gewalt Politik betreiben, darf sich nicht wundern wenn er, als Zivilist, einmal aufwacht und feststellt, dass er und seine Familie selbst zu Leberkäse geworden sind.

Mahlzeit!